• Ellipsis Newsletter / November 2017

    Vom Experiment zur täglichen Anwendung - Digitalisierung als hilfreiches Werkzeug im Handwerk

    von der Redaktion Teamgeist

    Aktivitäten in Richtung Digitalisierung sind eine große Kraftanstrengung – jedoch auch spannende Erfahrungen und lohnende Investitionen in die Zukunft des Handwerksbetriebes.

Vom Experiment zur täglichen Anwendung - Digitalisierung als hilfreiches Werkzeug im Handwerk

Tischlermeister Nico Deutschmann und sein Team sammeln digitale Erfahrungen und investieren damit in die Zukunft des Unternehmens. Die Verbindung von traditionellem Handwerk und digitaler Technik ist für ihn kein Widerspruch. Der Chef des Wilsdruffer Unternehmens dieMeisterTischler – Deutschmann und Schöne GbR sieht die Digitalisierung als Werkzeug, um Produktionsprozesse in der Tischlerei und auch innerhalb von firmenübergreifenden Bauprojekten zu beschleunigen und zu erleichtern.

Seit 2011 beschäftigen sich dieMeisterTischler mit moderner Produktions- und Fertigungsplanung. So werden Modelle und Skizzen der hochwertigen Möbel und Inneneinrichtungen per 3D-System virtuell konstruiert. Das erleichtert den Kunden die Vorstellung und stärkt die Teamarbeit. "Auf die Daten können alle zugreifen, sie bearbeiten und ergänzen", so der Handwerksmeister.

Deutschmann und sein 25-köpfiges Team experimentieren aktuell mit dem Einsatz von Virtual-Reality-Brillen bei der Planung von "komplexen Lebensräumen", wie er es nennt, sowie mit dem Einsatz von Scannern bei der Vermessung von Räumen. "Wir sind da noch ganz am Anfang und es gibt dabei viele Kinderkrankheiten. Häufig ist dann doch der erfahrene Fachmann der Maschine überlegen", bekennt der Unternehmer. Doch er sieht Potenzial für das Handwerk in Verbindung mit der Digitalisierung – insbesondere beim Thema Bauplanung. Hier liegt für ihn die Zukunft im Building Information Modeling (BIM). Ins Deutsche lässt sich der Begriff mit Gebäudedatenmodellierung übersetzen. Bei der Methode werden alle Daten, Maße etc. eines Gebäudes digital erfasst. An dem digitalen Gebäudemodell erfolgt dann die Bauplanung unter Einbeziehung aller am Bau beteiligten Gewerke und Unternehmen. "Gerade bei komplexen Bauprojekten brächte eine gemeinsame Planung per BIM mehr Effizienz auf der Baustelle und dadurch Zeit- und Kostenersparnis", ist sich Deutschmann sicher. Hier versucht er, Handwerkskollegen mit ins Boot zu holen, und teilt auch gern seine Erfahrungen. "Denn BIM funktioniert nur, wenn alle Gewerke daran mitwirken und den gleichen technischen Kenntnisstand dazu haben."

Seine Erfahrungen der vergangenen Jahre haben Nico Deutschmann gezeigt, wie wichtig es ist, den Faktor Mensch beim Thema Digitalisierung nicht außer Acht zu lassen. "Die Herausforderung für mich als Chef besteht darin, das gesamte Team bei Veränderungen mitzunehmen und den Mitarbeitern Ängste zu nehmen, dass zum Beispiel Arbeitsplätze durch den Einzug neuer Technik wegfallen könnten. Hier muss ich immer wieder Vertrauen einwerben, dass die Neuerungen für alle Positives bringen." Er denkt dabei unter anderem an freigewordene Zeit für die schönen – aber oftmals zeitaufwendigen und dadurch kostenintensiven – Tischlertätigkeiten wie Furnier- und Vollholzarbeiten.

Für ein kleines mittelständisches Unternehmen wie dieMeisterTischler sind diese Aktivitäten in Richtung Digitalisierung eine große Kraftanstrengung – laufen sie doch neben der täglichen Arbeit. Für Nico Deutschmann sind es jedoch "spannende Erfahrungen und lohnende Investitionen in die Zukunft des Handwerksbetriebes".


Redaktion Teamgeist

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