• Ellipsis Newsletter / Ausgabe 06 / September 2016

    Rückblick auf den Ellipsis BeraterKongress Thüringen - 2016

    Ein metaphorisches Fazit: Lassen Sie sich nicht von "Industrie 4.0" erschlagen - auch der Elefant wird in Scheiben gegessen. Digitalisierung ist ein Sog, dessen Trichter immer größer wird und der in sehr absehbarer Zeit jeden Prozess - und sei er derzeit noch so analog - in sich verschlingen wird, um ihn nach "sinnvoller Anpassung" mit 0 und 1 versehen wieder dem Alltag zu überlassen.

Ellipsis BeraterKongress Thüringen 2016

Sylvi Kunze, Geschäftsführererin der Ellipsis GmbH, begrüßte zu Beginn die Gäste und stellte die Ziele der Veranstaltung dar. Bereits im Vorfeld waren wir sehr stolz, dass der Thüringer Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee den Eröffnungsbeitrag zu unserem Kongress halten würde. Ohne Skript und sehr dicht am Publikum kam er nach einer Würdigung der Arbeit von Ellipsis schnell auf Aspekte zu sprechen, die für den Thüringer Mittelstand in der nahen Zukunft sehr relevant sein werden. Dabei drehte sich alles um die Wirtschaft 4.0 (nicht "Industrie 4.0", da dieser Begriff nicht alle Branchen abdeckt) und wie KMU sich aufstellen sollten, um zukünftig wettbewerbsfähig zu bleiben. Denn hierbei spielt vor allem die Anpassung der aktuellen Geschäftstätigkeiten an unabwendbare digitale Prozesse eine herausragende Rolle. Dies betrifft sowohl Dienstleister als auch produzierende Unternehmen. Neben einer ordentlichen Breitbandversorgung sind jedoch vorab noch weitere infrastrukturelle Arbeiten zu tätigen, damit tatsächlich ein nachhaltiger digitaler Ruck durch Thüringen gehen kann. So sind Wirtschaft und Politik gefordert, die Datensicherheit bei einer verstärkten Inanspruchnahme von Cloud-Lösungen zu gewährleisten, europäische Kommunikationsstandards zwischen verschiedensten Geräten/Maschinen zu etablieren oder auch Qualifikationen für sich ändernde Arbeitsplatz-Anforderungen anzubieten. Des Weiteren müssen die Unternehmen durch "Berater für digitale Infrastruktur" für diese Thematik mit den passenden Worten (ohne die übliche Verwendung von Schlagworten) sensibilisiert werden, so dass bspw. derzeit angebotene Produkte digitalisiert bzw. digitale Zusatznutzen angeboten werden können. Zusätzlich kann die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen angehoben werden, wenn sie sich zu "virtuellen Großunternehmen" zusammenschließen, welche durch eine temporäre Gemeinschaft kleinerer Unternehmen die gesamte Wertschöpfungskette eines angebotenen Produkt samt aller damit verbundenen (Dienst-)Leistungen anbieten. Ein interessanter Ausblick - allein die landesweite Umsetzung steht noch aus...

Dr. Mauricio Matthesius vom Thüringer Kompetenzzentrum Wirtschaft 4.0 griff den digitalen Bezug von Wolfgang Tiefensee auf und verband ihn mit dem Erkennen neuer Geschäftsmodelle im Unternehmen. Dafür ist zwangsläufig eine Analyse der Geschäftsprozesse notwendig, welche im Zusammenspiel das Geschäftsmodell beschreiben. Stellt man nun einige spezifische Fragen, die die unternehmerische Schnelligkeit, Wertschöpfung, Mehrwertgenerierung oder auch Online-Aktivitäten betreffen, dann können sofort neue Antworten und Aussichten den digitalen Transformationsprozess einzelner Geschäftsbereiche im Unternehmen verändern.

Ohne Digitalisierung wäre der Vortrag von Prof. Dr.-Ing. Uwe Arnold ziemlich schnell zu Ende gewesen, denn er ging in seinem Vortrag auf "Fluch oder Segen" der Digitalisierung in der Logistikbranche ein. Dabei stellt die Digitalisierung hierbei nur die Grundlage für alle darauf aufbauenden Prozesse dar, denn die IT gewinnt spürbar die Oberhand in den logistischen Prozessgestaltungen und Arbeitsabläufen. Alles ist mit allem vernetzt bzw. muss es sein. Insofern etabliert sich auch hier die Thüringer Wirtschaft 4.0, wobei in diesem Feld die Vernetzung jeglicher relevanter Prozesse im Vordergrund steht. Da es in der Logistik unzählig viele Aktivitäten gibt, die parallel oder sequentiell ablaufen bis das gewünschte Objekt am richtigen Platz ist, sind die Möglichkeiten und Notwendigkeiten in diesem digitalen Change-Prozess so mannigfaltig, dass eine Überforderung einzelner Teilnehmer dabei nicht ausbleibt. Dennoch sind die schon etablierten Standards auch in der Logistik inzwischen unumkehrbar, so dass ein Verharren in gewohnten Strukturen definitiv zu fatalen Umsatzrückgängen führen wird.

Anschließend stellte Hans-Werner Preuhsler die Thex Mikrofinanzagentur vor. Dabei ging er auf die zwei Säulen zum Ermöglichen einer Finanzierung bzw. der Überwindung von Finanzierungshürden ein. Einerseits die klassischen Finanzierungsmöglichkeiten, andererseits eine Reihe von alternativen Finanzierungsinstrumenten für die einzelnen Unternehmensphasen.

Im Rahmen der Gründungsberatung und Beratungsförderung referierte Christiane Handy von der GfAW Thüringen mbH über die aktuellen Konditionen der Beratungs- und der Gründerrichtlinie. Hierfür ist natürlich auch Ellipsis Ihr Ansprechpartner in Thüringen, um Ihnen rund um diese Förderprogramme detailliert Auskunft geben zu können. Zwei Vorträge später sprach Thomas Hohmann von der Thüringer Aufbaubank (TAB) über die Besonderheiten und Änderungen der Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" (GRW) und die Einzelbetriebliche Außenwirtschaftsförderung. Die Folien dazu sind auf Anfrage bei Ellipsis erhältlich.

Kai Dellit von hww widmete sich sehr ausführlich der schwierigen Kombination von Insolvenzerkennung und Beraterhaftung. Letztere wurde eingehend mit Haftungsgrundlagen, faktischer Geschäftsführung, Fehlberatung, existenzvernichtenden Eingriffen, Straftatbeständen, Einbeziehung Dritter und Haftungsfragen des Aufsichtsrats bzw. Beirats unterlegt. Anschließend wurden die Risiken für die Beratervergütung thematisiert und hierauf verschiedene Indikatoren einer Insolvenzerkennung wie Überschuldung, Zahlungsunfähigkeit und Zahlungseinstellungen genauer beleuchtet. Dieses heikle Thema faszinierte nicht nur "Krisenberater", denn theoretisch ist auch jeder andere Berater in der Pflicht, eventuell auftretende finanzielle Probleme des Unternehmens nicht unter den Teppich zu kehren sondern offen anzusprechen und auf damit verbundene Gefahren hinzuweisen.

Mit der einfachen Erklärung "Price is what you pay. Value is what you get. (Warren Buffet)" begann Gaby Kutter von PricewaterhouseCoopes ihren Vortrag zu Unternehmenswert vs. Kaufpreis. Dies ist derzeit umso interessanter, da immer wieder Zukäufe wie bspw. Whatsapp durch Facebook mit exorbitanten Summen Schlagzeilen machen und sich ein "normaler Mensch" nur noch wundert, woher solche Unternehmenswerte kommen. Im ersten Teil wurden verschiedene Bewertungkonzepte und nachfolgend die Anlässe zur Bewertung dargelegt. Der Anlass determiniert immer das relevante Konzept. Dabei stellte sich dann natürlich die Frage, was einen objektiven Wert kennzeichnet, wie die Zukunft darin abgebildet wird und - die Hauptfrage - wie sich denn der Wert zum Kaufpreis abgrenzt. Hier kamen Worte wie "zukünftig", "objektiviert", "nachvollziehbar", "typisiert", "(Grenz-)Nutzen" oder "abhängig von..." zum Zuge, welche schlussendlich auch den entscheidenden Einfluss auf das Kaufpreismodell haben.

Mit aktuellen Informationen von Ellipsis durch Susann Hörl und Dietmar Kunze endete der BeraterKongress kurz nach 17 Uhr, so dass noch genügend Zeit blieb, mit einigen Beratern den Tag im schattigen Außenbereich des Arcadia Hotels bei wunderschönstem Spätsommerwetter ausklingen zu lassen. Wir freuen uns bereits jetzt auf den nächsten Ellipsis BeraterKongress in Erfurt im Herbst 2017.


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