• Ellipsis Newsletter / Ausgabe 06 / September 2016

    Leasing kommt in die Bilanz

    Nach unserem kontinentaleuropäischen Verständnis gehört nur das wirtschaftliche Eigentum des Kaufmanns in die Bilanz. Das findet sich in unserem HGB so, aber auch in nahezu allen Gesetzen unserer Nachbarn.

Leasing kommt in die Bilanz

Dabei ist die Frage des wirtschaftlichen Eigentums bei einer Vermietung immer aus zwei Blickwinkeln zu betrachten:

 

Fall 1: Handelt es sich um eine Mietsache, wie zum Beispiel einen PKW, die für drei Jahre fest dem Mieter überlassen wird und anschließend an den Vermieter zurück geht

oder

Fall 2: Wird die Spezialmaschine genau nach den Anforderungen des Mieters gebaut und praktisch über die gesamte wirtschaftliche Nutzungsdauer an ihn vermietet?

Bei Fall 1 tendieren wir eindeutig zu der Lösung: kein wirtschaftliches Eigentum beim Mieter, also dort auch keine Bilanzierung, während bei Fall 2 schon Zweifel aufkommen und bereits heute eine Aktivierung beim Mieter erfolgen muss.

Im Übrigen hat unser Steuerrecht mit den drei Leasingerlassen von 1971 bis 1975 recht frühzeitig das Thema aufgegriffen und praxistauglich gelöst. Inzwischen gewinnt aber ein Ansatz aus dem angelsächsischen Raum stärker an Bedeutung, der durch die Neufassung von IFRS 16 im Januar 2016 folgende Regelung trifft: künftig sind alle in den Anwendungsbereich des IFRS 16 fallenden Leasingverhältnisse in der Bilanz des Leasingnehmers zu erfassen. Auf der Aktivseite ist das Nutzungsrecht an der gemieteten Sache und auf der Passivseite die Verpflichtung für künftige Leasingzahlungen zu passivieren. Die Folge ist eine Bilanzverlängerung. Bilanzleser aufgepasst: mit diesem neuen IFRS 16 verlängert sich nicht nur die Bilanzsumme, sondern es ändern sich Bilanzkennzahlen (Anlagenintensität, Eigen- und Fremdkapitalquote, Verschuldungsgrad usw.) mit allen Konsequenzen für Bonitätsbeurteilungen und Rating!

Die Praxisempfehlung lautet: alle wesentlichen Bilanzleser aktiv auf diese Veränderung hinweisen! Welche unmittelbare Wirkung ergibt sich für den deutschen Mittelstand? Bereits heute ist über § 317 Abs. 5 HGB der Abschlussprüfer verpflichtet, internationale Prüfungsstandards anzuwenden. Mittelfristig – und daran besteht kein Zweifel – wird sich die Wirkung der International Financial Reporting Standards auf das deutsche HGB weiter erhöhen.

Niels Bahr
Wirtschaftsprüfer

MAZARS GmbH
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Riemannstraße 29 B
04107 Leipzig

www.mazars.de


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