• Ellipsis Newsletter / Ausgabe 03 / Juni 2016

    Ein Blick auf die verborgenen Schätze im Datenwust der Unternehmen (Teil 2)

    Kostenbewusstsein beginnt beim Vermeiden neuer Kosten. Der nachfolgende Artikel erläutert dies für Produktionsbetriebe. Sind neu konstruierte und damit neu anzulegende Bauteile tatsächlich notwendig? Schließlich verursachen sie Kosten und Zeitaufwand für Einführung, Bestandspflege, Beschaffung und Bewirtschaftung.

In bisher nicht gekanntem Tempo kommen Anforderungen in Form der Digitalisierung auf alle Unternehmen zu. Die Digitalisierung selbst stellt die Unternehmen vor gewaltige Transformationsprozesse. Das dabei erreichte Niveau wird die zukünftige Reaktionsfähigkeit bestimmen. Erst wenn gesichert ist, dass die jeweiligen Mitarbeiter zum entsprechenden Zeitpunkt über die für Entscheidungen relevanten und dabei zuverlässigen Informationen verfügen, können sichere Entscheidungen gefällt und damit entsprechende Reaktionen ausgelöst werden.

Eine besondere Bedeutung kommt dabei der Konstruktion und den in der Konstruktion erzeugten Daten zu, da die Konstruktion am Anfang der Prozesskette der Produktentstehung steht, etwa 70% der Produktkosten festlegt und ca. 15% der Kosten in Form von Variantenkosten zu verantworten hat. Hier gilt bedingt durch die zunehmende Dynamisierung der Märkte stärker als zuvor "Kostenbewusstsein beginnt beim Vermeiden neuer Kosten", denn neu konstruierte und neu angelegte Bauteile verursachen Kosten und Zeitaufwand für Einführung, Bestandspflege, Beschaffung und Bewirtschaftung. Es gilt, das Nutzen vorhandenen betrieblichen Wissens - also schon konstruierter und bewährter Bauteile - anstelle von Neukonstruktionen stärker zu forcieren. Dazu ist es erforderlich, den entsprechenden Überblick über das vorhandene betriebliche Wissen zu verbessern und vor allem den Bauteilebestand permanent an die Veränderungen im Bereich der Normen und der gesetzlichen Regelungen bzw. Bestimmungen anzupassen.

Der Transformationsprozess erfordert neben einer Bereinigung der Daten auch eine Verbesserung der Stammdatenprozesse "Suchen" und "Anlegen", eindeutige Kriterien zur Neuanlage von Bauteilen und Regelungen zur Pflege und Anpassung der Konzepte.
Neue Bauteile sollten beispielsweise nur konstruiert und angelegt werden, wenn

  • kein vorhandenes Bauteil die geforderte Funktion erfüllt,
  • durch ein neues Bauteil ähnliche Bauteile ersetzt werden können (Reihenbildung),
  • eine Produktverbesserung erreicht und ein anderes Bauteil ersetzt werden kann
Einsparpotenziale durch die Teilziele "Vielfaltsreduktion" und "Vielfaltsvermeidung"

Aus den Erfahrungen einer Reihe von betrieblichen Verbesserungsprojekten ist für die Durchführung der Transformationsprozesse - natürlich unter Beachtung der konkreten Datenkonzepte - folgende Handlungsschrittfolge zu empfehlen:

1. Verbesserung der Datenqualität

  • Modifizieren der Ordnungsprinzipien (Auswahl, Anpassung oder Entwicklung eines Klassifikationssystems)
  • Konzipieren von Beschreibungsprinzipien (Sachmerkmal-Listenkonzept)
  • Nacharbeiten und Harmonisieren der Bauteildaten
  • Permanentes Pflegen und Anpassen der Ordnungs- und Beschreibungsprinzipien

 2. Vielfaltsbereinigung / Wachstumsreduzierung

  • Dublettenbereinigung
  • Lebenszyklusaktualisierung
  • Normensubstitution (Vorzugsteilebildung)
  • Substitution nach Werkstoff und/oder Beschichtung
  • Auswahlreihenbildung (Kauf- und Normteile)
  • Make or Buy-Analysen
  • Lieferantenbereinigung
  • Teilefamilienbildung (Fertigungsteile, Rohteile, Halbfabrikate)
  • Rohteilzuordnung

3. Bedarfsgerechte Anpassung der IT-Architektur

  • Schließen von Informationslücken und Harmonisierungsdefiziten zwischen den IT-Systemen
  • Anpassen der Eingabefelder an Ordnungs- und Beschreibungsprinzipien
  • Nutzung der Ordnungs- und Beschreibungsprinzipien zur Optimierung des Suchens und Anlegens
  • Permanentes und systematisches Pflegen der IT-Hilfsmittel

Nur wenn das Datenkonzept permanent und systematisch gepflegt, d. h. an äußere Veränderungen angepasst wird, können die gewünschten Effekte an Zeit- und Kosteneinsparung erreicht und gesichert werden. Durch die Verfügbarmachung des durch die Bauteile dokumentierten betrieblichen Wissens werden darüber hinaus die Flexibilität der Unternehmensprozesse und die Reaktionsfähigkeit auf Marktänderungen verbessert.

Dr.-Ing . habil. Werner Grahl, Dr.-Ing. Andreas Voigt

Ingenieurbüro Dr. Grahl
Dresdener Straße 189A
09326 Geringswalde

DR. VOIGT CONSULT
Hechtstraße 169
01127 Dresden

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