• Ellipsis Newsletter / Ausgabe 11 / November 2014

    Pendler-Belastungen

    Sie steigen regelmäßig ins Auto, den Bus oder den Zug, nehmen das Motorrad und manche sogar das Flugzeug: Pendler und Pendlerinnen. Für sie heißt berufstätig sein, unterwegs zu sein. Das bringt besondere Belastungen mit sich. Was können Unternehmen für die Gesundheit ihrer pendelnden Beschäftigten tun?

"Meine Familie sehe ich nur am Wochenende. Und das beginnt für mich im Stau. Um 15 Uhr mache ich mich freitags auf den Heimweg - und stehe gleich auf der Autobahn mit den anderen Pendlern." So die leidvollen Erfahrungen von Andreas Schneider. Ein Jobwechsel hat den engagierten Ingenieur beruflich weitergebracht - privat wurde die Familie vor die Frage gestellt: "Umzug ja oder nein?" Die Schneiders haben sich für das Fernpendeln entschieden. Und sind damit nicht allein: Etwa fünf Prozent der Beschäftigten benötigen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes täglich mindestens eine Stunde auf dem einfachen Weg zur Arbeit. Und rund 66 Prozent nutzen dafür das Auto. Um dem täglichen Fahrstress zu entgehen, pendelt Schneider rund ums Wochenende. Am Montagmorgen dauert sein Arbeitsweg knapp eineinhalb Stunden, freitags meist länger. "Zeit, die Andere mit Familie und Freunden, Sport und Entspannung verbringen, fristen Pendler auf Straßen, Schienen und in der Luft", VBG-Verkehrsexperte Oliver Fischer kennt die schwierige Situation und weiß, dass sie nicht ohne Folgen bleibt.

Keine Zeit für die Gesundheit

"Wer pendelt, fühlt sich oft gestresst", sagt Fischer, "zum Beispiel wenn man im unvorhergesehen Stau  steht oder gerade seinen Anschlusszug verpasst." Pendlerinnen und Pendler haben häufiger Rückenschmerzen, Verspannungen, Schlafstörungen und Kopfschmerzen. Außerdem gehen sie seltener zum Arzt. "Dadurch besteht natürlich auch die Gefahr, dass Krankheiten nicht rechtzeitig erkannt werden", so Fischer. Hinzu komme ein erhöhtes Unfallrisiko für diejenigen, die mit dem Pkw oder Motorrad unterwegs sind, so der VBG-Experte weiter. "Gerade im Pkw kann Stress aggressives Verhalten hervorrufen, das für alle Verkehrsteilnehmer gefährlich werden kann." Fischer rät den betroffenen Vielfahrerinnen und -fahrern zu einem Verkehrssicherheitstraining der VGB. Es ist für Mitgliedsbetriebe kostenfrei.

Fahrtraining - defensives Fahren

Hier steht "defensives Fahren" auf dem Programm. Wir wollen, dass die Fahrerinnen und Fahrer lernen, gelassen zu bleiben, sich nicht ablenken zu lassen, gleichmäßig zu fahren, im Verkehrsfluss 'mitzuschwimmen' und sich auf die Straße zu konzentrieren", fasst Fischer die Ziele des VGB-Fahrtrainings zusammen. Doch nicht nur das Fahrverhalten oder die Art zu pendeln entscheidet über die Belastung der Betroffenen. "Auch das Ankommen ist entscheidend", sagt Wochenendpendler Schneider. Sein Tipp: "Die Familie sollte sich den Freitagnachmittag freihalten, um sich über die Woche auszutauschen, gemeinsam etwas zu unternehmen und sich wieder aneinander zu 'gewöhnen'."

Checkliste - Fünf Tipps, wie Sie Pendlerinnen und Pendlern in Ihrem Unternehmen das Leben leichter machen

  1. Gleitzeit einführen. Wer nicht auf die Minute pünktlich anfangen muss, kann auch gelassener bleiben, wenn der Zug Verspätung hat oder der nächste Stau schon in Sicht ist.
  2. Teambesprechungen und wichtige Konferenzen nicht gleich in den frühen Morgenstunden ansetzen.
  3. Den Beschäftigten Homeoffice-Tage ermöglichen.
  4. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Fahrtrainings der VBG anbieten.
  5. Ein schwarzes Brett oder einige Seiten im Intranet für die Bildung von Fahrgemeinschaften freihalten.

Ricarda Gerber
VBG


Nach oben