• Ellipsis Newsletter / Ausgabe 7 / Juli 2013

    Aktuelle Konjunktur in Thüringen

    Bundesweit haben im vergangenen Jahr lediglich drei Bundesländer kein Wirtschaftswachstum verzeichnet: Neben dem Saarland und Sachsen trifft das auch auf Thüringen zu.

Wie das Statistische Landesamt am Mittwoch mitteilte, sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) preisbereinigt um 0,3 Prozent. Deutschlandweit stieg das BIP um 0,7 Prozent. Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) sagte, dass Bremsspuren unübersehbar seien. "Die Ursache der wirtschaftlichen Stagnation im Freistaat liegt vor allem in der rückläufigen Industrieentwicklung", fügte der SPD-Politiker hinzu.

Die schwierige wirtschaftliche Lage im Euroraum führe zunehmend zu einer Investitionszurückhaltung bei den Unternehmen, sagte Machnig. Darüber hinaus liefere auch der Export kaum noch Wachstumsimpulse. Davon sei vor allem der für Thüringen wichtige Automobilsektor betroffen, dessen Umsatz im vergangenen Jahr um zwölf Prozent einbrach. Auch die Solarbranche trage ihren Teil zur rückläufigen Industrieentwicklung im Land bei.

Wirtschaft fordert tragfähige Konzepte in Euro-Debatte

Derzeit sorge lediglich die Binnennachfrage für Stabilität, sagte der Minister. Allerdings habe dies wegen des vergleichsweise niedrigen Lohnniveaus kaum Auswirkungen auf Thüringen.

Einmal mehr verwies Machnig darauf, dass der wirtschaftliche Aufholprozess der neuen Länder bereits seit einigen Jahren zum Stillstand gekommen sei. "Wir brauchen weiterhin private und öffentliche Investitionen auf hohem Niveau", sagte er.

CDU-Wirtschaftsexperte Gerhard Günther warnte vor den Steuerplänen von SPD, Grünen und Linker. "Wer will, dass Unternehmen mehr investieren, und in der Binnennachfrage eine wesentliche Stütze der Konjunktur sieht, kann nicht gleichzeitig massive Steuererhöhungen fordern", sagte Günther. So wollten die Grünen Bürgern und Unternehmern 32 Milliarden Euro mehr aus der Tasche ziehen, die SPD gar 40 Milliarden Euro.

IHK Erfurt fordert tragfähige Konzepte zur Krisenlösung

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt bewertete Thüringens Wirtschaftsentwicklung im Vergleich der Länder als "doch recht ernüchternd". Allerdings relativierten die hohen Zuwachsraten der vergangenen Jahre den geringen Rückgang 2012. Schließlich sei es gelungen, das hohe Niveau der Wirtschaftsleistung weitgehend zu stabilisieren, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser.

"Die Stimmung trübt sich weiter ein", sagte Grusser mit Blick auf den jüngsten Ifo-Geschäftsklimaindex. Negativschlagzeilen über die Schuldenkrise sowie ständig neue Debatten über die Zukunft des Euro verunsicherten die Unternehmer immer mehr. Vor diesem Hintergrund forderte er "endlich tragfähige Konzepte, damit sich der Investitionsknoten wieder löst und die Konjunktur den erwarteten Schwung erhält". Zugleich warnte er vor einem langanhaltenden Bundestagswahlkampf mit unnötigen Diskussionen über Steuererhöhungen.

Die IHK Südthüringen betonte dagegen, dass 2012 für die Region ein Wachstumsjahr mit einem Plus von 2,4 Prozent gewesen sei. Ohne die gute Entwicklung in Südthüringen wäre das BIP in Thüringen um einiges stärker zurückgegangen, sagte Hauptgeschäftsführer Ralf Pieterwas. So stieg der Industrieumsatz um sechs Prozent, und das Baugewerbe legte sogar um elf Prozent zu.

dapd
Quelle: www.welt.de/...


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