Erfolgreiche Geschäfts­modell­anpassung mit Hilfe des Business Model Canvas

In der heutigen schnelllebigen Geschäftswelt ist es von entscheidender Bedeutung, dass Unternehmen sich kontinuierlich an neue Technologien und Marktveränderungen anpassen. Diese Anpassungsfähigkeit ermöglicht es Unternehmen, Wettbewerbsvorteile zu erzielen und langfristigen Erfolg zu gewährleisten. In diesem Beitrag untersuchen wir zwei beispielhafte Geschäftsmodellanpassungen aufgrund einer aktuellen bzw. neu aufkommenden Technologie im eigenen Marktumfeld anhand des Business Model Canvas.

Das Business Model Canvas

Das Business Model Canvas ist ein bewährtes Tool zur Visualisierung und Analyse von Geschäftsmodellen. Es besteht aus neun Schlüsselelementen, die zusammen das Geschäftsmodell eines Unternehmens beschreiben. Diese Elemente umfassen die Wertangebote, Kundensegmente, Vertriebskanäle, Kundenbeziehungen, Einnahmequellen, Schlüsselressourcen, Schlüsselaktivitäten, Schlüsselpartnerschaften und Kostenstruktur.

Business Model Canvas - www.strategyzer.com

Fall 1:

Nehmen wir an, ein Unternehmen aus der Einzelhandelsbranche ist mit der Herausforderung konfrontiert, dass immer mehr Kunden ihre Einkäufe online tätigen. Dieser Trend wird durch den zunehmenden Einsatz von E-Commerce-Plattformen und die Bequemlichkeit des Online-Shoppings vorangetrieben. Das Unternehmen erkennt, dass es sein Geschäftsmodell anpassen muss, um den wachsenden Kundenanforderungen gerecht zu werden und wettbewerbsfähig zu bleiben.

  1. Wertangebote:
    Durch die Erweiterung der Wertangebote wird ein benutzerfreundliches und sicheres Online-Shopping-Erlebnis ermöglicht. Investitionen fließen in die Entwicklung einer intuitiven E-Commerce-Website oder einer mobilen App, die Kunden eine einfache Produktsuche, -vergleiche und -käufe ermöglicht.
  2. Kundensegmente:
    Eine Überprüfung der Kundensegmente identifiziert Zielgruppen, die vermehrt Online-Einkäufe tätigen. Beispielsweise können junge, technikaffine Kunden angesprochen werden, die Wert auf Flexibilität und Bequemlichkeit legen.
  3. Vertriebskanäle:
    Der Online-Vertriebskanal wird in das Geschäftsmodell integriert. Dabei wird eine effiziente Logistikinfrastruktur entwickelt, um Bestellungen zügig zu bearbeiten und eine schnelle Lieferung der Produkte zu gewährleisten.
  4. Kundenbeziehungen:
    Die Anpassung der Kundenbeziehungen beinhaltet die Bereitstellung von Online-Kundensupport und Live-Chats. Kunden erhalten somit jederzeit Unterstützung und ihre Fragen werden schnell beantwortet.
  5. Einnahmequellen:
    Die Erweiterung der Einnahmequellen erfolgt durch zusätzliche Dienstleistungen wie personalisierte Empfehlungen, Treueprogramme oder kostenpflichtige Premium-Vorteile.
  6. Schlüsselressourcen und Schlüsselaktivitäten:
    Investitionen werden in die notwendigen Ressourcen und Aktivitäten getätigt, um den Online-Vertrieb erfolgreich umzusetzen. Dazu zählen die Schulung von Mitarbeitern im Bereich E-Commerce, die Implementierung eines effizienten Bestandsmanagementsystems und die Optimierung der Website für Suchmaschinen.
  7. Schlüsselpartnerschaften:
    Strategische Partnerschaften mit Logistikunternehmen, Zahlungsanbietern und anderen relevanten Partnern werden eingegangen, um eine reibungslose Abwicklung der Online-Bestellungen sicherzustellen.
  8. Kostenstruktur:
    Die Kostenstruktur wird überprüft und dabei die zusätzlichen Investitionen für den Aufbau und die Aufrechterhaltung des Online-Vertriebskanals berücksichtigt. Es wird angestrebt, Skaleneffekte zu nutzen und Kosten zu optimieren, um wettbewerbsfähige Preise anbieten zu können.

Fazit:

Die Geschäftsmodellanpassung des Unternehmens an die bereits länger auf dem Markt befindlichen Technologien ermöglicht es ihm, den Anforderungen der Kunden gerecht zu werden und den Online-Wettbewerb erfolgreich anzugehen. Durch die Nutzung des Business Model Canvas kann das Unternehmen seine strategischen Entscheidungen visualisieren, Chancen identifizieren und die Auswirkungen auf verschiedene Geschäftsmodellkomponenten bewerten. Die Fähigkeit, sich an neue Technologien anzupassen und das Geschäftsmodell entsprechend anzupassen, ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für Unternehmen in der heutigen digitalen Ära.

Textil-Einzelhandel - ©Putra - stock.adobe.com

Beispiele für solch einen Einzelhandel sind u. a.:

  • Bekleidungseinzelhandel: Ein traditioneller Bekleidungseinzelhändler greift den Trend zum Online-Shopping auf und passt sein Geschäftsmodell an, indem er eine benutzerfreundliche E-Commerce-Website entwickelt, die Kunden zum Stöbern und Kauf von Kleidung einlädt. Zusätzlich bietet er personalisierte Empfehlungen und eine schnelle Lieferung an.
  • Elektronikfachgeschäft: Ein Elektronikfachgeschäft registriert, dass inzwischen viele seiner Kunden Elektronikprodukte auch gern online kaufen und ihr Geschäftsmodell anpassen muss, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das Unternehmen investiert in eine gut gestaltete E-Commerce-Plattform und bietet erweiterte Kundensupportoptionen sowie einen einfachen Zugang zu Produktbewertungen und Vergleichstools.
  • Lebensmitteleinzelhandel: Ein Lebensmitteleinzelhändler erkennt die steigende Nachfrage nach Online-Lebensmitteleinkäufen und entwickelt ein Geschäftsmodell, das eine nahtlose Bestellung, schnelle Lieferung und die Möglichkeit bietet, personalisierte Einkaufslisten zu erstellen. Darüber hinaus bietet er spezielle Dienstleistungen wie frische, vorportionierte Mahlzeiten oder Abonnementdienste an.

Fall 2:

Ein Texter erkennt, dass Kunden vermehrt auf KI-Technologien zurückgreifen, um Texte selbst zu erstellen. Er erkennt die Notwendigkeit, sein Geschäftsmodell anzupassen, um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben und Mehrwert für seine Kunden zu bieten.

  1. Wertangebote:
    Mit einem klaren Fokus auf individuelle Texte hebt sich der Texter deutlich von KI-Technologien ab. Durch die Betonung professioneller Expertise, Kreativität und individueller Anpassungsfähigkeit wird ein Mehrwert geschaffen, der qualitativ hochwertige und maßgeschneiderte Texte ermöglicht.
  2. Kundensegmente:
    Es werden gezielt Kundensegmente identifiziert, die einen spezifischen Bedarf an persönlichen und professionellen Texten haben. Unternehmen, die Wert auf hochwertige Werbetexte, individuelle Blogartikel oder kreative Produktbeschreibungen legen, gehören beispielsweise dazu.
  3. Vertriebskanäle:
    Verschiedene Vertriebskanäle werden genutzt, um die Dienstleistungen des Texters zu bewerben und potenzielle Kunden zu erreichen. Eine gut gestaltete Website, Online-Plattformen für freiberufliche Texter oder Kooperationen mit Marketingagenturen sind hierbei nur einige Beispiele.
  4. Kundenbeziehungen:
    Der Texter pflegt enge Kundenbeziehungen und bietet einen persönlichen, maßgeschneiderten Service an. Dabei wird auf die individuellen Anforderungen und Wünsche der Kunden eingegangen. Beratung und Unterstützung werden während des gesamten Texterstellungsprozesses gewährleistet.
  5. Einnahmequellen:
    Es werden zusätzliche Services entwickelt, die über die reine Texterstellung hinausgehen. Dazu zählen beispielsweise redaktionelles Korrekturlesen, SEO-Optimierung oder Social-Media-Management, um einen umfassenden Mehrwert für die Kunden zu bieten.
  6. Schlüsselressourcen und Schlüsselaktivitäten:
    Der Texter investiert in seine eigene Weiterbildung und erweitert sein Fachwissen in Bereichen, in denen KI noch nicht so stark entwickelt ist. Schwerpunkte liegen beispielsweise auf kreativen Schreibprozessen oder dem Verfassen hochspezialisierter Fachtexte. Auf diese Weise wird eine einzigartige Expertise und Qualität geboten, die KI nicht erreichen kann.
  7. Schlüsselpartnerschaften:
    Strategische Partnerschaften mit Unternehmen oder Plattformen, die KI-Technologien nutzen, werden angestrebt, um Synergien zu schaffen. Eine Möglichkeit besteht beispielsweise in der Zusammenarbeit mit KI-Entwicklern, um Tools zu entwickeln, die den Texterstellungsprozess unterstützen.
  8. Kostenstruktur:
    Die Kostenstruktur wird überprüft und optimiert, um wettbewerbsfähige Preise anzubieten, die den Mehrwert der Dienstleistungen widerspiegeln. Durch die Automatisierung wiederkehrender Prozesse wird die Effizienz gesteigert und Kosten werden gesenkt.

Fazit:

Die Geschäftsmodellanpassung des Texters zeigt, wie er erfolgreich mit der Bedrohung durch KI-Technologien umgeht. Durch die klare Kommunikation seines Mehrwerts, die Fokussierung auf spezifische Kundensegmente und die Entwicklung zusätzlicher Services kann er seine Position als professioneller Texter stärken. Das BMC ermöglicht es ihm, die Auswirkungen der KI-Technologien auf verschiedene Geschäftsmodellkomponenten zu analysieren und strategische Entscheidungen zu treffen, um sein Geschäft weiterhin erfolgreich zu führen. Die Anpassungsfähigkeit an neue Technologien, wie hier die KI, und die Fokussierung auf die Stärken menschlicher Expertise sind bzw. werden entscheidende Erfolgsfaktoren für Texter und andere Berufsgruppen.

Schreibmaschine - ©CDSTOCK - stock.adobe.com
Diese Geschäftsmodellentwicklung bzw. -anpassung per BMC ist Teil des Lehrgangs

Digital Business Program

Termin: vom 7. September - 1. Dezember 2023

Teilnahme: Präsenz in Dresden oder online per Zoom