Eine der verborgenen Hürden in der Unter­nehmens­nachfolge - der psycho­logische Faktor

Zweifelnder Mann / AdobeStock_471154624 - Andrii Zastrozhnov - stock.adobe.com

Ein fiktiver Unternehmensberater berichtet:

Kapitel 1: Das Zögern des Seniorchefs

In einem mittelständischen Familienunternehmen in Potsdam stand eine Unternehmensnachfolge an. Der Seniorchef, Herr Schneider, war seit Jahrzehnten am Ruder und hatte die Firma zu beachtlichem Erfolg geführt. Trotz seines Alters und der offensichtlichen Bereitschaft seines Sohnes, die Führung zu übernehmen, zögerte Herr Schneider unerklärlich mit der Übergabe. Monate vergingen, ohne dass es zu einer klaren Entscheidung kam.

Kapitel 2: Ein unerwarteter Hausbesuch

Als Unternehmensberater wurde ich beauftragt, den Übergabeprozess zu unterstützen. Nach diesen vergangenen Monaten und erfolglosen Klärungsversuchen im Unternehmen beschloss ich, zusammen mit meiner Kollegin, Herrn Schneider privat zu besuchen. Wir hofften, in einer anderen Umgebung vielleicht die wahren Gründe für sein Zögern zu entdecken.

Kapitel 3: Die Rolle der Ehefrau

Während unseres Besuchs wurde schnell klar, dass Frau Schneider eine zentrale Rolle in der Verzögerung spielte. Sie äußerte beständig Bedenken und Einwände, die allerdings nichts mit der eigentlichen Unternehmensübergabe zu tun hatten. Herr Schneider, der offenbar jeglichen privaten Streit vermeiden wollte, ging auf diese Einwände nicht ein und schob dadurch unbewusst die Entscheidung immer weiter auf.

Kapitel 4: Der Wendepunkt

In einem entspannten Gespräch bei Kaffee und Kuchen gelang es uns schließlich, eine offene Diskussion anzustoßen. Frau Schneider erkannte, dass ihre Bedenken eher emotionaler Natur waren und nicht mit dem Unternehmen zusammenhingen. Es war die Angst vor Veränderung und dem Verlust eines geregelten Tagesablaufs in ihrem Leben.

Kapitel 5: Der Aha-Effekt

Nachdem wir diesen Punkt gemeinsam erarbeitet hatten, kam der "Aha-Effekt". Frau Schneider verstand, dass die Unternehmensübergabe nicht das Ende, sondern einen neuen Anfang darstellte. Sie erkannte die Vorteile und Chancen, die sich daraus ergaben, nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für ihr persönliches Leben.

Kapitel 6: Ein neuer Anfang

Mit Tränen der Erleichterung und einem Lächeln nahm Frau Schneider ihren Mann in den Arm. Dieser Moment löste die Blockade bei Herrn Schneider. Er war nun bereit, die Führung vertrauensvoll in die Hände seines Sohnes zu legen, wissend, dass er und seine Frau ein neues Kapitel in ihrem Leben beginnen würden.

Epilog

Die Unternehmensübergabe verlief danach reibungslos. Herr Schneider unterstützte seinen Sohn aus dem Hintergrund, während er und seine Frau sich neuen Lebenszielen widmeten. Als Berater war es eine zutiefst befriedigende Erfahrung, nicht nur ein Unternehmen, sondern auch eine Familie in einen neuen Lebensabschnitt zu begleiten.

Diese Geschichte zeigt, wie wichtig es ist, alle Beteiligten in solch entscheidenden Prozessen zu berücksichtigen und auch emotionale Faktoren nicht zu unterschätzen. Manchmal ist die Lösung eines scheinbar professionellen Problems in den persönlichen Beziehungen zu finden.

Diese Thematik ist Teil unseres Hochschul-Zertifkatslehrgangs